Chronik - Eine Reise durch die Zeit

18. Jahrhundert

Bis in das 18. Jahrhundert hinein sind keine Aufzeichnungen über die Stadtmusik vorhanden. Die erste uns erhaltene Urkunde über unsere Stadtmusik ist die Stadtzinkenisten-Ordnung aus dem Jahre 1721.

Was verstand man damals unter Zinkenisten?

Das waren Hornbläser, deren Instrument von eigenartiger Beschaffenheit und Tonbildung war. Holz oder Elfenbein war das wesentliche Material. Gleich der Flöte hatte der Zink eine bestimmte Anzahl von Grifflöchern, mit denen man Töne über zwei Oktaven entlocken konnte. Die Zinkenisten gehörten zu den vornehmsten Bläsern jener Zeit.

Die Zinkenistenordnung vereinigte nun alle disziplinierten Musikanten unter dem Stadtzinkenisten als ihrem Zunftmeister. Dieser hatte das alleinige Recht, bei öffentlichen Anlässen, also auch bei Festen, Hochzeiten und Gottesdiensten mit seinen Gehilfen aufzuspielen.

19. Jahrhundert

Im Jahre 1805 wurde Saulgau württembergisch, vordem unterstand es Österreich.

Ein Erlass des Königs Friedrich ordnete an, dass in jeder Stadt ein "Stadtmusikus" aufzustellen sei, der mit seinen Leuten bei öffentlichen und kirchlichen Anlässen aufzuspielen habe. Von jetzt an kam Ordnung in das musikalische Leben der Stadt.

Zu jener Zeit übernahm ein Lehrer von Saulgau gebürtig Namens Ignaz Hoch die Stelle des Stadtmusikus. Dieser wurde zuletzt Chor- und Musikdirektor. Er war Stadtzinkenist und Kapellmeister in einer Person. Am 12. Mai 1822 schritt er mit 12 seiner Musiker zur Gründung einer eigenen Musikgesellschaft, die ihre Genehmigung vom Rat der Stadt alsbald erfahren durfte. Diese Zustimmung ist als der Beginn und Ursprung unserer heutigen Stadtmusik anzusehen.

Ihr erster öffentlicher Auftritt war die Mitwirkung am Fronleichnamsfest 1822.
Nach den damaligen Statuten trugen die Musikanten eine ganz einfache Montierung: Eine Hose von ganz feiner Leinwand, ein Jäckle von königsblauem Sommerzeug und einen Tschako von Papierdeckel. Diese Musikgesellschaft hatte damals noch militärischen Charakter. So führte der Kapellmeister den Rang eines Feldwebels, die Musiker den von Obmännern. Als Entschädigung für ihre Musikerdienste bekam jeder Mann 1-2 Klafter Holz vom Stadtwald.

Ende 1837 musste Lehrer Hoch sein Dirigentenamt abgeben, da man fürchtete, dass er sein Lehramt vernachlässigen könnte.

Als sein Nachfolger wurde der Tuchmacher Konrad Stecker aufgestellt. Dieser konnte keinen theoretischen Unterricht erteilen, weshalb sich die Musikgesellschaft am 25. Februar 1842 wieder auflöste - es waren nur noch zwei Musiker da. Es bildeten sich in der Folge zwei Musikgesellschaften, die auf eigene Faust weiter Musik machten.

Am 14. September 1842 gelang es dem Lehrer Franz Straubenmüller, die beiden Musikgesellschaften zu einer "Stadtkapelle" zu vereinigen. Die Stadt zahlte dem Kapellmeister 30 Gulden im Jahr. Er musste sich verpflichten, wöchentlich zweimal zwei Stunden zu proben.

Am 8. Juni 1855 hob der Stadtrat jede Unterstützung auf, da die Musiker ohne Kapellmeister, wild in den Wirtschaften und auf Tanzveranstaltungen gegen Entgelt aufspielten.

Im Jahre 1856 übernahm Lehrer Haiegg die Leitung, nachdem Franz Straubenmüller sein Amt niederlegte.

Am 18. April 1860 untersagte der Rat das auswärtige Spielen, weil es laufend Reibereien gab. Haiegg gründete eine besondere Reitermusik, die er auch dirigierte.

1870 legte Haiegg sein Amt wegen hohen Alters nieder und trat dieses an Lehrer Frey ab. Am 8. November 1872 kündigte Frey sein Amt. Er konnte de auftretenden Streitigkeiten nicht länger ertragen. Die Musikgesellschaft löste sich wieder einmal auf.

Buchbinder Scheck wurde der Neubegründer und Dirigent. Im Frühjahr 1882 übernahm Lehrer a.D. Hermann Straubenmüller für ein Jahr das Dirigentenamt.

Am 13. April 1883 legte er sein Amt wegen Streitigkeiten in den Reihen der Musiker nieder. Die Musikgesellschaft löste sich wieder auf.

Im Jahr 1887 übernahm der frühere Kapellmeister Scheck mit 16 Musikern und 6 Zöglingen die aufgelöste Gesellschaft. Er starb am 22. März 1890.

Am 9. Januar 1890 übernahm sein Bruder Konstantin Scheck gegen Zahlung von 100 Mark jährlich die Direktion.

Am 17. April 1891 schloss sich die Bürgerwache der Musikgesellschaft an. Nach sechsjähriger Tätigkeit legte Scheck den Dirigentenstab nieder und Gipsermeister Reichert führte die Kapelle glücklich ins neue Jahrhundert.

20. Jahrhundert

Nach dem Tod von Dirigent Scheck folgten der Metzgermeister Rothmund und sodann Buchbindermeister Halder. Während des Weltkriegs 1914/18 schmolz die Zahl der Musiker stark zusammen. Nach Kriegsende erstarkte die Kapelle nach und nach wieder.

Kaufmann Fridolin Rüsch gründete 1922 den heutigen Musikverein. Berufsmusiker Paul Landgraf übernahm 1923-1930 die Kapelle unter seine musikalische Leitung. Unter seiner Leitung kam die Stadtkapelle auf eine bisher nie erreichte Höhe. Das Ansehen der Kapelle war weit bekannt. Paul Landgraf starb plötzlich am 20. Januar 1931.

Für kurze Zeit folgte der Dirigent Schobloch aus Marbach. Im April 1932 übernahm der Berufsmusiker Reinhold Viehweg die Kapelle.

Im Jahre 1934 wurde die Kapelle "gleichgeschaltet". Vorstand Rüsch legte demzufolge und nach 12-jähriger Amtszeit sein Amt nieder. Diplom-Braumeister August Lohmiller folgte ihm für ein knappes Jahr. Kaufmann Josef Högerle führte während der Kriegsjahre bis 1945 den Verein.

Nach Kriegsende 1945 sammelte Bürgermeister August Reichert die Musiker wieder, wobei ihm die alten Getreuen Willy Müller und Hans Steinhauser eifrig zur Seite standen. Die französische Besatzungsmacht erteilte am 5. Juni 1947 ihre Lizenz zur Neugründung der Kapelle.

Am 1. Juli 1950 wurde unter Vorstand August Reichert und Kapellmeister Decker der Musikverein wiedergegründet. Die Kapelle erlebte einen raschen Aufschwung.

Eine Festigung erfuhr die Kapelle durch ihren neuen Vorstand in der Person des Fabrikanten Martin Staud sen. Er war ein zielstrebiger und eifriger Förderer der Stadtmusik. Sein Unfalltod am 8. August 1961 traf die Kapelle schmerzlich.

Nach längeren Mühen konnte ein Nachfolger für Fabrikant Staud in der Person des Dipl. Ingenieurs Hans Groß gewonnen werden. Er vertritt seit 1967 bis heute (als Ehrenmitglied) mit Eifer und Geschick die Belange der Stadtmusik.

Die musikalische Leitung übernahm als Nachfolger des Musikdirektors Decker der Berufsmusiker Arno Eichler. Es folgten nach einer längeren Unterbrechung Anton Hirrlinger, sodann der Berufsmusiker Scholtes, der Rheinländer war und mit Schwung und Humor die Stadtmusik leitete.

Ab dem 1.September 1968 wurde die Kapelle von dem Berufsmusiker Siegfried Moll, als Musikdirektor, sehr erfolgreich geführt.

Der vorstehende Auszug aus der Chronik wurde dem Programmheft zum Jubiläumskonzert - "150 Jahre Stadtmusik Saulgau e.V." vom 15. April 1972 entnommen.

Auf Initiative von Musikdirektor Moll gründete die Stadt Saulgau im Jahr 1969 eine Jugendmusikschule, in der u. A. auch junge Bläser für die Stadtmusik ausgebildet wurden.

Herr Moll führte die Kapelle im Lauf seiner 3-jährigen Tätigkeit zu Oberstufenniveau. Außerdem wurde von ihm auch die „Kleine Besetzung“, eine Tanz- und Unterhaltungskapelle geleitet.

Im November 1972 übernahm Musikdirektor Josef Zeitler, ein gebürtiger Österreicher, die musikalische Leitung der Stadtmusik Saulgau e. V. Durch seine Lehrtätigkeit an der Jugendmusikschule gab es auch bei ihm nie Nachwuchsprobleme im Blasorchester.

Hans Groß übergab im Herbst 1975 den Vereinsvorsitz an den Berufschullehrer Georg Reichert, der die Stadtmusik bis 1999 mit großem Erfolg führte. Wichtige Änderung in seiner Amtszeit: Es dürfen jetzt auch Mädchen im Orchester mitspielen!

Die Generalversammlung wählte 1999 den Rechtsanwalt Helmut Kabus zum neuen Vereinsvorstand.

Ein Jahr später wird aus der Stadtmusik Saulgau e. V. die Stadtmusik Bad Saulgau e. V.

21. Jahrhundert

In die erste Amtsperiode von Helmut Kabus fällt nach vielen Jahren wieder einmal ein Dirigentenwechsel.

Josef Zeitler, der "österreichische Saulgauer", geht nach fast 30-jähriger Tätigkeit für die Stadtmusik und die Jugendmusikschule, im Sommer 2001, in den wohlverdienten Ruhestand.

Stefan Leja, Nachfolger von Sepp Zeitler, übernimmt seit August 2001 die musikalische Leitung der Stadtmusik.